Digitale Agenda: Europeana holt die Schätze Europas: Das europäische Kulturerbe online

Die Datenbank Europeana bietet digitalen Zugriff auf Millionen von Gemälden, Fotografien und anderen Kunstwerken, die aus Institutionen aus ganz Europa kommen. Von: PB
Unter www.europeana.eu haben User Zugriff auf über 57 Millionen digitalisierte Kulturstücke aus Europa (Foto: Screenshot www.europeana.eu)

Neelie Kroes, die für die Digitale Agenda zuständige Vizepräsidentin der Kommission, freute sich: “Europeana ist ein großartiges Beispiel dafür, wie Zusammenarbeit auf europäischer Ebene unser aller Leben bereichern kann. 14 Millionen Objekte online – das ist eine gute Neuigkeit für alle Internetnutzer, die sich Zugang zu den Kulturschätzen der europäischen Bibliotheken, Museen und Archiven wünschen. Aber Europeana könnte noch viel mehr leisten, wenn mehr Kultureinrichtungen ihre Sammlungen digitalisieren und über das europäische Portal zugänglich machten. Ich bin zuversichtlich, dass uns das Komitee der Weisen schon bald ehrgeizige Empfehlungen zur Beschleunigung dieses Prozesses geben wird.”

Zugriff aus europäischen Museen

Europeana startete im November 2008 als Prototyp eines europäischen Webportals, das es Internetnutzern ermöglicht, digitalisierte Bücher, Landkarten, Gemälde, Zeitungen, Fotografien, Filmausschnitte und sonstige audiovisuelle Objekte aus europäischen Kultureinrichtungen direkt zu suchen und abzurufen. 2011 waren mehr als 5 Millionen solcher Objekte wie auch zahlreiche Musikstücke über www.europeana.eu zugänglich, womit das ursprüngliche Kommissionsziel von 10 Millionen Werken für 2010 deutlich übertroffen wird.

Digitalisierte Kostbarkeiten

Zu den dieses Jahr neu hinzugekommenen Werken gehören ein bulgarisches Pergamentmanuskript von 1221, das die Entwicklung der bulgarischen Sprache bezeugt; der Catechismusa prasty szadei, das erste litauische Buch, das 1547 veröffentlich wurde; eine Abschrift von 1588 der Technē rētorikēs von Aristoteles in Griechisch und Latein; Gemälde des niederländischen Malers Jan Steen aus dem 17. Jahrhundert; die vollständigen Werke der deutschen Dichter Goethe und Schiller; Filmmaterial von den Feierlichkeiten des dänischen Verfassungstags 1907 sowie eine Serie von Fotografien des Klosters Glendalough (Irland) aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg (weitere Beispiele in MEMO/10/586).

Vieles ist urheberrechtsfrei

Digitalisierte Fotos, Landkarten, Gemälde, Museumsstücke und andere Bilder machen etwa 64 % der Europeana-Sammlungen aus. 34 % der Sammlung bestehen aus digitalisierten Texten. Darunter befinden sich mehr als 1,2 Millionen vollständige Bücher, die online zur Ansicht oder zum Download bereitstehen. Dazu gehören auch Tausende seltene Manuskripte und die frühesten Druckschriften (Wiegendrucke) aus der Zeit vor 1500. Video- und Tonmaterial macht weniger als 2 % der Sammlungen aus. Ein großer Teil des über Europeana zugänglichen Materials ist urheberrechtsfrei. Grund dafür sind vor allem die Schwierigkeiten und Kosten im Zusammenhang mit der Klärung der Rechte zur Digitalisierung und Zugänglichmachung von urheberrechtlich geschütztem Material (selbst wenn dieses gar nicht mehr gewerblich genutzt wird oder vergriffen ist) oder von Material, dessen möglicher Urheberrechtsinhaber unbekannt ist (verwaiste Werke).

Hochwertige europäische Zusammenarbeit

Alle EU-Mitgliedstaaten haben etwas zu Europeana beigesteuert, wenngleich die Beiträge noch unausgewogen sind. Der größte Beitrag kommt mit 18 % aller Objekte aus Frankreich. Deutschland hat seinen Anteil auf 17 % gesteigert. Damit Europeana wirklich einen Querschnitt des Europäischen Kulturerbes präsentieren kann, müssen aber weitere hochwertige Werke aus allen Mitgliedstaaten zur Verfügung gestellt werden.

Das große Potenzial, das die Europeana-Nutzung in Schulen bietet, haben die Teilnehmer der vom European Schoolnet organisierten jüngsten eLearning Awards verdeutlicht. Am Siegerprojekt der Portmarnock Community School in Irland waren Schüler beteiligt, die mit digitalem Material ihre eigenen Blogs über historische Persönlichkeiten gestalteten.

Im nächsten Jahr will Europeana mit nutzergenerierten Inhalten experimentieren und wird die Benutzer aufrufen, eigenes Material rund um das Thema des ersten Weltkriegs zur Verfügung zu stellen.

Gegenwärtig sind in der Europeana zwei virtuelle Ausstellungen zu sehen. “Reading Europe” stellt eine reiche Auswahl seltener Bücher und literarischer Werke aus ganz Europa vor. Die Ausstellung “Art Nouveau” zeigt die Möglichkeiten, die sich ergeben, wenn kulturelles Material aus unterschiedlichen Ländern zusammengetragen wird.

Hintergrund

Europeana ist ein kooperatives Unternehmen der Kultureinrichtungen Europas. Mehr als 1500 Kultureinrichtungen aus ganz Europa steuern dazu digitalisiertes Material bei. Europeana startete im November 2008 als Prototyp mit anfänglich 2 Millionen online zugänglichen Kulturobjekten.

Das Europeana-Büro befindet sich in der Nationalbibliothek der Niederlande in Den Haag. Die digitale Bibliothek wird von der Europeana Foundation betrieben und zu 80 % von der EU finanziert. Der Publikumsansturm zu ihrer Eröffnung 2008 war so unerwartet groß, dass sie gleich wieder für einen Monat schließen musste.

Sie können Europeana unter www.europeana.eu besuchen. 

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