Frauen in der FDP: Macht bleibt eingeschränkt

Mit dem Entschluss Linda Teuteberg auszutauschen, zementiert die FDP das Image ein Männerpartei zu sein. Dieses Bild provoziert sie selbst – dabei hätte sie gute Chancen Frauen und Minderheiten zu begeistern. Ein Kommentar.

Die FDP-Führung hat sich dafür entschieden, Linda Teuteberg als Generalsekretärin fallenzulassen. Die Kritik an ihrem Politikstil besteht schon lange. Doch mit personellen Neubesetzungen und einem geringen Frauenanteil unter den Mitgliedern und im Präsidium stellt sich die Frage, wie weit es mit der leistungsorientierten Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen innerhalb der Partei steht. 

Das Geschmäckle des Hinterzimmers

Die scheidende FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg

Linda Teuteberg soll als Generalsekretärin keinen guten Job gemacht haben. Unter ihr haben Schlüsselfiguren gekündigt, sie soll in entscheidenden Momenten keine Position bezogen haben und insgesamt die Rolle nicht ausreichend ausgefüllt haben. Kritik an ihrem Politikstil ist berechtigt, wenn sie keinen starken „Track Record“ vorweisen kann. 

Zweifelhaft wird der Umgang mit ihr jedoch, wenn in einem Männerzirkel um Parteichef Christian Lindner über die Zukunft der FDP entschieden wird. Die BILD-Zeitung hatte von einem Hinterzimmertreffen berichtet, an dem ausschließlich Männer teilnahmen. Das Problem liegt hier nicht einmal im Offensichtlichen: Männer urteilen über Frauen. Vielmehr belastet eine unterschwellige Frage das Image der FDP: Wie kommt es, dass eine liberale und vermeintlich leistungsorientierte Partei keine Frauen in ihren Machtzirkeln hat? 

Die FDP sollte nicht an Frauenmangel leiden – aber sie provoziert ihn selbst

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Prozent der FDP-Mitglieder sind Frauen

Die FDP hat unter ihren Mitgliedern einen Frauenanteil von knapp 21 Prozent. In ihrem Präsidium waren bis Teutebergs Rauswurf drei von 16 Positionen von Frauen besetzt. Dies wird zu einem Problem für die die Partei, da sie dadurch unvermeidlich den Stil einer Männerpartei einnimmt. Wenn vornehmlich Männer zu sehen sind, werden sich viele Wählerinnen automatisch nicht repräsentiert fühlen. Wenn Werte wie Liberalismus und Chancengerechtigkeit vornehmlich mit männlichen Biografien verbunden sind, wird die FDP eine Nischenpartei bleiben, die an der 5-Prozent-Hürde hängt. 

Dabei müsste es überhaupt nicht so sein. Innerhalb der FDP gibt es Strömungen, die durchaus attraktiv sind für eine breitere Gruppe. Ein sozialliberales Verständnis kann beispielsweise den Glauben an Aufstieg in Deutschland erneuern. In Zeiten von #MeToo und #BlackLivesMatter war es nie so wichtig, Bürgerinnen und Bürgern mit biografischen Daten, die als Nachteil ausgelegt werden, in ihren Ambitionen zu unterstützen. Der Wille, Chancengleichheit zu schaffen, ist durchaus attraktiv – auch für Frauen!

Doch an dieser Stelle unterläuft vielen FDP-Politikern ein Fehler – der wahrscheinlich sogar gut gemeint ist: indem schlecht repräsentierte Gruppen wie Frauen oder Menschen mit Migrationshintergrund im Alltag unter Stereotypen leiden, wird das in der leistungsorientierten Partei gerne nach hinten gestellt. Das Credo: jeder kann aufsteigen, solange er oder sie kompetent und fleißig sei. Der starke Wille zählt am meisten in dieser Erzählung. Das klingt danach, als seien die FDP-Mitglieder bereit über Hautfarbe, Religion und Geschlecht hinwegzusehen und Menschen als Menschen zu sehen. Wäre dies so einfach, gäbe es viele Probleme nicht. Allerdings werden Minderheiten oft in Schubladen gesteckt, ihnen begegnen Vorurteile und sie werden am Aufstieg gehindert, eben weil sie anders als die Norm sind. Viele Menschen können sich nämlich nicht einfach so von ihren tief verinnerlichten Vorurteilen befreien – und auch das gilt es anzuerkennen. 

Es geht um mehr als nur Kompetenz

FDP-Frauen machen selbst gerne Stimmung gegen die Quote – sie würde den Markt verzerren, im Zweifel inkompetente Frauen fördern, fähige Männer benachteiligen. Das kann man so sehen, wenn man davon überzeugt ist, dass Menschen als einzige Qualität in der Bewertung andere die Kompetenz sehen würden. Eine wirtschaftsnahe Partei wie die FDP müsste es allerdings besser wissen: es geht nicht immer um Kompetenz, es geht um Netzwerken, Sympathie und dem Umstand, dass „Gleich und Gleich gesellt sich gern“ einen sehr wahren Kern hat. Ginge es nämlich um Kompetenz, müsste nicht nur Teuteberg das Feld räumen, sondern manch ein Mann, der der Partei einen viel größeren Schaden angerichtet hat.

Coverfoto: Lutsenko_Oleksandr via Shutterstock

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