Der neue Asterix-Band: Jugend forsch

In diesem Jahr feiert Asterix, Held der gallischen Unbeugsamkeitsbewegung, seinen 60. Geburtstag. Und im Vergleich zur Protagonistin des neuen Bandes sieht der kleine Gallier tatsächlich fast ein bisschen alt aus. Von Maximilian Riegel

In diesem Jahr feiert Asterix, Held der gallischen Unbeugsamkeitsbewegung, seinen 60. Geburtstag. Seit 2013 haben Didier Conrad als Zeichner und Yves Ferri als Texter bei Asterix die Verantwortung. Und kaum eine Rezession vergisst zu erwähnen, dass mit ihnen beiden die Geschichten wieder Fahrt und Klasse aufgenommen haben. Zumindest in Teilen gilt das auch für den neuesten Band. Vor allem aber, haben sie den Band, ganz im Sinne René Gescinnys, neben dem Zeichner Albert Uderzo der wortgewitzte Erfinder der Comicreihe, es geschafft, den Band mit gesellschaftspolitischen Untertönen zu spicken.

Die Geschichte beginnt in der Abenddämmerung. Drei nur schwer zu erkennende Gestalten nähern sich in der anbrechenden Dunkelheit der Hütte des Häuptlings Majestix. Wie sich herausstellt, handelt es sich dabei um zwei Krieger aus dem Avernerland, die ein junges Mädchen bei den unbeugsamen Galliern verstecken wollen. Adrenaline heißt sie, Tochter des Vercingetorix, Anführer des letzten großen Aufstandes gegen Cäsar, und von ihrem Vater mit einem im Wortsinn belastenden Auftrag versehen: Sie trägt einen Wendelring um den Hals, der die Gallier in einer neuen Unabhängigkeitsbewegung einen soll. Um sie vor Cäsars Schergen zu schützen, soll sie nach Britannien gebracht werden. Bis das Schiff dafür aufgetrieben ist, passen Asterix und Obelix auf, dass ihr nichts zu stößt.

Das Paradox des Wildschweinsystems

So viel zum Plot. Die Geschichte an sich ist nicht sonderlich ergiebig. Nur selten nimmt sie wirklich Fahrt auf. Spannend dagegen ist, wie Condrad und Ferri es schaffen, das engmaschicge Figurenkorsett des Asterix-Universums zu weiten. Denn die alten Männer des Dorfes, die in der antiquierten Geschlechterdarstellung traditionell Geschichte machen, werden neben Adrenaline fast zu Statisten degradiert. Selbst Asterix und Obelix schwimmen eher so mit, als dass sie entscheidend zu Handlung beitragen. Es sind die Kinder, die den Ton angeben. Namentlich die Söhne des Fischhändlers Verleihnix, Aspix, und des Schmieds Automatix, Selfix. Sie provozieren den Generationenkonflikt mit ihren Vätern, ärgern sich über das zerstörerische „Wildschweinsystem“ („Hinkelstein und Zaubertrank sind die Stützen des Wildschweinsystems!“) und ärgern sich über die Vermüllung des Meeres („Dieses gedankenlose Konsumieren! Und der Müll landet im Meer!“). Das verschafft dem Dorf eine sympathische Frischzellenkur. Fridays for Future lässt grüßen. Die Figur Adrenaline lässt dabei durchaus Anleihen an Greta Thunberg erkennen. Sie will keinen Streit. Aber wenn die Erwachsenen auf Dinge dränge, die ihren Ansichten zuwider sind, dann treibt ihr das schon Mal die Zornesröte ins Gesicht.

Doch die Jugendbewegung wird nicht unkritisch gefeiert. Denn als Selfix und Aspix von dem Zaubertrank probieren dürfen, sind sie selbst auch nicht mehr ganz abgeneigt. Ferri und Conrad machen die Diskrepanz der gallischen Kids deutlich. Sie rebellieren gegen ein System, das ihnen die Freiheit zur Rebellion erst durch den Zaubertrank gibt. Auch hier eine Parallele zu den Schülerinnen und Schülern von heute: ihre berechtige Kritik an dem Kapitalismus, der die Klimakrise herbeiführt, können sie nur als Kinder jenes Wohlstands äußern, den der Kapitalismus generiert hat. Diese komplexe Darstellung in wenigen Panels, macht „Die Tochter des Vercingetroix“ zu einem vergnüglichen Comicheft. Trotz aller Jugendlichkeit, gehört das Zitat der Geschichte dem weisen Druiden Miraculix: „Seid behutsam, verschreckt sie nicht. Die Jugend ist ein schwieriges Alter. Druck führt zu nichts. Denkt daran: Immer den Dialog suchen.“

Foto: obs/Egmont Ehapa Media GmbH

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