Carsharing vs. Freefloating: Noch Luft nach oben

Drei Jahre lang haben das Bundesumweltministerium, Stadtverwaltungen, Universitäten und Anbieter die Auswirkungen von Carsharing auf die Städte untersucht und sind dabei auf deutliche Unterschiede zwischen stationärem Carsharing und Freefloating gestoßen. Während beispielsweise beim stationären Anbieter Flinkster die Autos pro Buchung durchschnittlich zwischen 60 und 85 Kilometern gefahren werden, sind bei der so genannten “mobileren Variante”dem Freefloater DriveNow ganze drei Viertel aller Fahrten bereits vor dem zehnten Kilometer schon wieder beendet.

Da sich das Geschäftsgebiet der Freefloater nahezu ausschließlich auf die Innenstadt beschränkt, werden mit diesem Carsharing-Modell demnach vor allem Strecken zurückgelegt, die sonst mit Bus und Bahn, dem Fahrrad oder dem Taxi bewerkstelligt würden.

Zu ähnlichen Ergebnissen kam im September 2014 bereits eine Studie von Civity, einem Beratungsunternehmen für öffentliche Dienstleistungen. Dort wurde u.a. festgestellt, dass rund die Hälfte der Wegstrecken, die in Berlin mit Freefloating-Anbietern zurückgelegt werden, kürzer als fünf Kilometer sind. Die Ergebnisse von Civity werden jetzt durch die Studie von WiMobil bestätigt. „Dieses Ergebnis zeigt, dass man das Freefloat-Modell neben allen seinen Vorzügen durchaus auch kritisch betrachten muss. Denn am Ende soll Carsharing den ÖPNV ergänzen, nicht ersetzen“, so Bill Jones. CiteeCar ist mit seinem stationären Host-Konzept auch außerhalb der Innenstädte zu finden, um den Menschen mit weniger zentraler Lage ebenfalls den Zugang zu kostengünstiger Mobilität zu ermöglichen.

Die Studie bestätigt seinen Eindruck: ”Es existieren große Unterschiede zwischen stationären Anbietern und Freefloating-Modellen – vor allem in puncto Geschäftsgebiet und Nutzerverhalten. Ziel ist es nach wie vor, gemeinsam mit dem ÖPNV die Verkehrs- und Parksituation in den Städten zu verbessern. ‚WiMobil‘ zeigt einmal mehr, dass wir hierfür mit unserer stationären Ausrichtung auf das nachhaltigere Konzept setzen“, so Jones.

Laut „WiMobil“ sind Freefloater besonders in den Abendstunden beliebt – nach dem Kino oder dem Treffen mit Freunden.. Die stationären Anbieter werden dagegen eher aus praktischen Gründen genutzt, vor allem zum Einkaufen und für Tages- und Wochenausflüge. Dies passiert in vielen Fällen auch deshalb, weil nur gut ein Viertel der Kunden von Flinkster und Co. zusätzlich über ein eigenes Auto im Haushalt verfügt. Bei DriveNow sind es ganze 57 Prozent.

Laut der Studie ist der typische Nutzer männlich, arbeitet voll und hat ein gutes Nettoeinkommen. Aus seinem Profil lässt sich ein wichtiger Schluss ziehen: Carsharing hat die breite Masse noch nicht erreicht! Frauen, Familien, ältere und einkommensschwache Menschen sind noch zu selten beim Carsharing zu finden.

„WiMobil – Wirkung von E-Carsharing Systemen auf Mobilität und Umwelt in urbanen Räumen“ wurde vom Anfang September 2012 bis Ende Oktober 2015 durchgeführt. Für das umfangreiche Forschungsprojekt wurden Kunden in Berlin und München befragt sowie Modellregionen und Standortdaten von Carsharing-Fahrzeugen analysiert.

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