BTHVN 2020: Ein Besuch in Bonn

Dank Beethoven hat es Bonn in die weltweiten “Top 10 Städte” des Jahres 2020 bei Lonely Planet geschafft. Und der große Komponist ist in der ehemaligen Hauptstadt tatsächlich überall. Selbst aus den Kneipenfenstern lugt er hervor.

Wer derzeit nach Bonn fährt, kann eines definitiv nicht verpassen: Das der größte Sohn der Stadt im Dezember vor 250 Jahren das Licht der Welt erblickte. Die fünf Buchstaben BTHVN prangen von überall. Ludwig van Beethoven wird hashtagtauglich gefeiert. Gefüllt sind die Lettern ausschnittsweise mit dem berühmten Gemälde Joseph Karl Stielers. Den geistig-genialisch entrückten Augen des stark idealisierten Beethovens gibt es kein Entkommen. Egal, ob man vor der Oper steht, oder an der Autobahnausfahrt rausfährt, an der links und rechts Fahnenmasten aufgestellt sind, auf denen „Freude, Joy, Joie, Bonn“ steht. In den Fenstern der Kneipen stehen goldene und silberne Beethovenstatuen, die überraschend sympathisch dreinschauen, ebenso wie in dem Burgerladen, in dem man zu Chartmusik in übertriebenen Ledersesseln zu süße Cocktails trinken kann.

Bundeskunsthalle und Beethovenhaus

Wer sich jenseits der instagramablen Erinnerungskultur mit dem großen Meister, der gemeinhin als erster musikalischer Popstar gilt, beschäftigen will, hat in der ehemaligen Hauptstadt museal gleich zwei Möglichkeiten. Die Ausstellung „Welt.Bürger.Musik“ in der Bundeskunsthalle zeichnet die wichtigsten Lebensstationen Beethovens nach und verknüpft diese mit seiner Musik. In ähnlicher Weise, aber auf kleinerem Raum geschieht dies auch in Beethovens Geburtshaus. Wobei es hier natürlich vielmehr um die Atmosphäre geht, die dieses Haus durch seine Geschichte ausstrahlt. Die Exponate sind dabei gleichermaßen spannend aufgeteilt. In der Bundeskunsthalle dreht sich vieles um das Stieler-Portrait und Stücken aus der Wiener Zeit Beethovens. Im Geburtshaus haben die Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit sich anhand von persönlichen Gegenständen, Noten und Briefen dem Komponisten zu nähern. Wobei das mit dem sich nähern bei einem Genie natürlich immer relativ ist. Zu groß prangen berühmte Zitate Beethovens an den Wänden, die dessen unermessliche Schaffenskraft, seine Zerrissenheit, aber auch seine charakterlichen Defizite offenbaren, als das eine wirkliche Annäherung wirklich stattfinden könnte. Zum Menschen, der greifbar wird, wird Beethoven am ehesten in seinen Schicksalsschlägen. Die gewaltigen Hörgeräte, die eher aussehen, wie Blasinstrumente, die Beethoven für ein Stück experimentell hätte herstellen lassen und von denen man sich kaum einen Nutzen vorstellen kann. Sie sind der deutlichste Nachweis was es bedeutete vor 200 Jahren als begnadeter Musiker taub zu werden. Wer möchte, kann sogar die 5. Symphonie so hören, wie Beethoven gehört haben muss, bevor er vollständig taub wurde: voller Rauschen, mit Tinnitus und sehr weit weg.

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on pinterest
Pinterest