Flüchtlinge in Griechenland: Der Alptraum vom besseren Leben

Dass Griechenland ein Krisenland ist, weiß man nicht erst seit die Wirtschaft des Landes im Keller ist und Athen unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen musste. Doch wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International jetzt aufdeckt, befindet sich das Land auch in einer humanitären Krise. So leben Flüchtlinge, die in Griechenland Schutz suchen, oft in menschenunwürdigen Verhältnissen. Amnesty klagt die zahlreichen Menschenrechtsverletzungen in dem angeschlagenen Euro-Land nun an.

Angriff auf Flüchtlinge

Der am Mittwoch vorgestellte Bericht der Menschenrechtsorganisation mit dem Titel “Greece: The end of the road for refugees, asylum-seekers and migrants” beinhaltet zahlreiche Beispiele für die miserable Behandlung von Schutzsuchenden in Griechenland. So wird unter anderem ein Fall geschildert, bei dem eine Gruppe syrische Flüchtlinge versuchten in einem Boot über den Grenzfluss Evros griechischen Boden zu erreichen. Als sie sich in der Mitte des Flusses befanden, tauchte plötzlich ein Patrouillenboot der griechischen Polizei auf und ein Beamter stach ein Messer in die Plastikhülle des Bootes. Das Schlauchboot sank und die Flüchtlinge mussten zur türkischen Grenze zurückschwimmen, so der Bericht.

Katastrophale Unterkünfte

Jedes Jahr strömen Zehntausende Flüchtlinge über die griechische Grenze, um dort Schutz, Asyl oder ein besseres Leben in der Europäischen Union zu finden. Das unzureichende Asylsystem des Landes und der Mangel an Unterkünften führt dazu, dass zahlreiche Flüchtlinge – unter ihnen auch zahlreiche Kinder – zur Obdachlosigkeit gezwungen werden. In einigen Fällen sollen Kinder, die ohne Verwandte ankamen, von griechischen Behörden einfach auf die Straße gesetzt worden sein. Doch auch viele Unterkünfte für Asylsuchende sind in einem so schlechten Zustand, dass sie laut Amnesty International gegen Menschenrechte verstoßen. Nach dem Arabischen Frühling und dem Konflikt in Syrien haben besonders viele Flüchtlinge aus dem Nahen Osten versucht ihren Weg in die EU über Griechenland zu finden. 

Schuld trotz Euro-Krise

Für John Dalhuisen, Amnesty International-Programmleiter für Europa und Zentralasien gibt vor allem den griechischen Behörden die Schuld an der Misere. “Das Ausmaß der Menschenrechtsverletzungen an Migranten und Asylsuchenden in Griechenland grenzt mehr und mehr an eine humanitäre Krise. Vor dem Hintergrund zunehmenden Migrationsdrucks, einer tiefgreifenden Wirtschaftskrise und wachsender Fremdenfeindlichkeit erweist sich der griechische Staat als unfähig, den Tausenden von Asylsuchenden und Migranten, die alljährlich ins Land kommen, auch nur ein Minimum an Sicherheit und Schutz zu gewähren”, so Dalhuisen.

Bürokratie in Athen

Dem Amnesty-Bericht zufolge ist Griechenland zwar bemüht, die Flüchtlingssituation in den Griff zu bekommen, doch gebe es in der Umsetzung massive Probleme. So wurde im Jahr 2011 zwar eine neue Stelle für Asylanträge geschaffen, doch soll diese bislang keinen einzigen Fall bearbeitet haben. Zudem könnten in Athen wöchentlich nur 20 Asylanträge eingereicht werden, da das zuständige Büro nur einen Tag in der Woche geöffnet habe. Flüchtlinge die sich vergeblich in die Schlange vor der Behörde anstellen, würden im schlimmsten Fall nach einer Personenkontrolle in ein Gefängnis gesteckt. 

Aufkommender Rassismus

Flüchtlinge und Asylsuchende haben in Griechenland jedoch nicht nur mit katastrophalen Einrichtungen und eine schlechten Bürokratie zu kämpfen, sondern auch mit fremdenfeindlichen Angriffen. Der Bericht schildert etwa einen Fall, bei dem ein 19-Jähriger aus dem Irak von griechischen Rechtsextremen überfallen und erstochen wurde. Nachdem sich das Land seit langem in einer Finanz- und Wirtschaftskrise befindet und viele Griechen ihre Jobs verlieren bekommen auch rechtsextreme Parteien immer größeren Zulauf. So konnte etwa die Partei “Goldene Morgenröte” bei den letzten Parlamentswahlen immerhin auf 6,9 Prozent. 

Hoffnung ruht auf EU

Eine europäische Staaten haben sich bereits dazu entschieden, Asylsuchende vorerst nicht mehr nach Griechenland zurückführen zu wollen. Auch hier hofft man auf eine Verbesserung der griechischen Asylsystems. John Dalhuisen sieht jedoch auch die Europäische Union in der Pflicht. “Die anderen EU-Staaten müssen aber ihrerseits Verantwortung übernehmen und die Aufnahme von Asylsuchenden untereinander gleichmäßiger aufteilen”. Die aktuelle Situation in Griechenland sei dem Friedensnobelpreisträger EU nicht würdig, so der Programmleiter. So brauche Athen Hilfe, müsse sich jedoch auch selbst helfen.

 

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